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im laufe unseres Bestehens wurden einige Artickel in der Presse über unsere Arbeit veröffentlicht. Diese möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Viel Spaß beim stöbern... |
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Lukas will gar nicht wieder herunter vom Pferd. Zu gut gefällt dem Knirps aus der Heilpädagogischen Kindertagesstätte Merseburg die intensive Bekanntschaft mit dem Vierbeiner beim Projekttag in Leina. Yvonne Neubert-Heberle freut sich mit ihren kleinen Gästen. (MZ-Foto: Peter Wölk) |
Merseburgerin leitet gefördertes IntegrationsprojektMitteldeutsche Zeitung Redakteur Birger Zentner |
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Merseburg/Leina/MZ. Zwischen Wiesen und Auewaldvegetation, zwischen ein
paar kleinen Äckern und einer Hand voll Häusern in der idyllischen Saalelandschaft
könnte man glatt Urlaub machen. Auf dem Reiterhof im Wengelsdorfer Ortsteil
Leina (Kreis Weißenfels) stehen jede Menge Merseburger Pferde.
Yvonne Neubert-Heberle setzt hier Kinder aufs Pferd.
Therapeutisches Reiten nennt sich ihr Angebot. Die junge Frau ist einerseits
die Besitzerin der Pferde, andererseits Vorsitzende des Fördervereins für
integratives Reiten. Dahinter steckt, das behinderte und nicht behinderte
Kinder gemeinsam dem Pferd näher kommen. Hinter ihr liegen zehn Projekttage
mit Kindergärten und Schulen, die behinderte Kinder betreuen. Zuletzt waren die
Kleinen aus dem Merseburger heilpädagogischen Kindergarten auf dem Reiterhof.
"Es ist schon erstaunlich, wie die Kinder auftauen, lebendiger werden, mehr sprechen
als sonst und auch singen, wenn sie mit den Pferden zusammen sind", sagt
Erika Meese, Heilpädagogin in besagtem Kindergarten. Einen solchen Projekttag haben
sie und ihre Kolleginnen zum ersten Mal veranstaltet.
Möglich machte das ein Projekt der Aktion Mensch.
Unter dem Motto "5000-mal Zukunft" wurde für Integrationsvorhaben
Fördergeld vergeben. "Wir haben uns darum beworben und Glück gehabt", meint
Neubert-Heberle. Je fünf Kindergärten und Schulen bekamen Gelegenheit, mit
Kindern nach Leina zu fahren. Darunter auch die Bad Dürrenberger Pestalozzischule
oder das Merseburger Kinderheim.
Wie leben Pferde? Was fressen Pferde? Wie muss man sie pflegen? Auf all diese
Fragen gibt es für die Kinder Antworten. Und natürlich kommt auch das Reiten
selbst nicht zu kurz. Lukas und Sebastian und die anderen kuscheln förmlich mit
den Tieren, legen sich lang auf deren Rücken, schmiegen sich ans warme Fell.
Nadine Günther hilft auf dem Pferdehof, Tiere und auch die Kinder zu betreuen.
Denn genau das ist es, was sie später auch einmal machen will. Die junge Frau aus
Lützen schreibt zum Thema des Projektes derzeit ihre Magisterarbeit an der
Leipziger Universität. Erziehungswissenschaften, Sport und Soziologie sind ihre
Fächer. Seit ihrem sechsten Lebensjahr reitet sie und kann sich nichts
schöneres vorstellen, als auf diese Weise Hobby zum Beruf zu machen und
Kindern zu helfen
Pferderücken voller Glück
Mitteldeutsche Zeitung Redakteurin Yvette Meinhardt
Schelkau/MZ. Liebevoll streicht Patrick der Stute Liv über die Mähne, tätschelt sie am Hals und mit einem Satz sitzt er auf dem Pferderücken. Der neunjährige Junge gehört zur Reitergilde der Caritas-Wohn- und Förderstätte in Schelkau. Mit seinem Talent und Gespür für die Tiere erkämpft er beim Turnier an der Dresdner Moritzburg im Sommer einen Pokal für die Schelkauer Mannschaft. Auch aus diesem Grund darf Patrick als erster auf Liv reiten. Ein besonderer Tag, ein Fest für Reiter, Bewohner und Freunde der Förderstätte. Eigentlich ein Begrüßungsfest für das neue Fjordpferd Liv.
Bis nach Berlin spricht es sich rum, dass die Schelkauer Förderstätte im Alltag mit Behinderten neue Wege geht. Reit- und Tiertherapie öffnet ganz neue Möglichkeiten. Selbst Rollstuhlfahrer schaffen es, auf dem Rücken der Pferde allein senkrecht zu sitzen, in Einheit mit dem Tier Körpergewicht und Balance zu halten. Eine Geschichte aus dem Alltag, die dennoch nicht alltäglich ist. Uta Taubert aus Krauschwitz besucht ihren Arbeitskollegen in Schelkau, wird dabei zufällig auf die Reittherapie aufmerksam und trägt diese Botschaft bis zum Allianz-Kinderhilfsfonds nach Berlin weiter. "Ich habe noch nie zu einem Projekt Nein gesagt", ergreift Dr. Christian König vom Hilfsfonds das Wort.
Es tut gut, engagierte Freunde zu haben." Brigitte Mc Manama
Förderstätte Schelkau
Dieses Mal macht er gut 5 000 Euro locker, für die Therapie-Stute Liv, für behindertengerechte Sattel, Halfter, Pferdedecken. Mit einem Reitfest empfängt die Einrichtung den Neuankömmling. "Es tut gut, engagierte Freunde zu haben", erzählt Brigitte Mc Manama, Leiterin der Einrichtung. So nennt sie Reitlehrer und Therapeuten, Pferdepfleger und Erzieher, Förderverein, Träger, Kommune und die neuen Freunde bei der Allianz. Fast zehn Jahre gibt es jenen Kinderfonds, und König verspricht, "die Schelkauer Einrichtung weiter im Blick zu haben". Unruhig zappeln Kinder und Jugendliche hin und her, ungestüme Freude über das ungewöhnliche Geschenk. Ein originelles Schaubild eröffnet den Reigen: Therapeutin Yvonne Neubert in historischem Gewand reitet zu Violinenklängen und tanzenden Tüchern, passend zum Rhythmus wechselt das Pferd die Gangart. Dann dürfen die Kinder ihr Können zeigen. In bunten Kostümen als Cowboy,Teufel, Tänzerin reiten Patrick, Isabell, Christian, Sandra und die anderen beim Führzügelwettbewerb über den Parcours. Und nicht nur die Kinder freuen sich über den tierischen Zuwachs, ein zwölfbeiniges Trio steht jetzt auf der Koppel
Pferdefest mit und ohne Handicap
MITTELDEUTSCHE ZEITUNG REDAKTEUR KLAUS- DIETER KRAMER
Schelkau. Zu einem Pferdefest wird am kommenden Freitag, 10. September, ab 10 Uhr in die Caritaswohn- und Förderstätte "Julius von Pflug" nach Schelkau eingeladen. Kinder, Jugendliche und Junggebliebene mit und ohne Behinderung werden ermuntert, einzeln, im Schul- oder Gruppenverband, mit Lehrern, Angehörigen und Freunden bei den Wettbewerben mitzumachen, teilt Einrichtungsleiterin Brigitte McManama mit.
Reittherapie und Freizeitreiten gehören in der Wohn- und Förderstätte in Schelkau zu den wichtigen und schönen Bereichen im Leben der Bewohner mit geistigen und mehrfachen Behinderungen. Sie helfen den Betroffenen, Beschwerden zu lindern und gleichzeitig zu entspannen.
Die beiden Schelkauer Therapiepferde Paul und Ballerina haben letztens Verstärkung durch die Fjordpferd-Stute Liv erhalten. Eine Spende vom Allianz-Kinderfonds Berlin/Leipzig machte dies möglich. Die Reiterfachfrauen der Caritaswohn- und Förderstätte, Sabine Richter, Anett Herrmann und Kerstin Kroschewski organisieren das Pferdefest gemeinsam mit der dafür Gesamtverantwortlichen Yvonne Neubert.
Mit dem Eröffnungsschaubild "Musik und Pferd und wir" beginnt das Fest, das gegen 16 Uhr mit der Vorführung eines musikalischen Themenritts mit Bewohnern und Mitarbeitern der Einrichtung einen Höhepunkt erleben wird. Dazwischen gibt es kleine Wettbewerbe.
Weitere Informationen gibt es bei der Caritaswohn- und Förderstätte "Julius von Pflug" Schelkau, 06682 Teuchern, Ortsteil Schelkau, Hinter den Gärten 1, und unter Telefon 034446 / 6040
Haflinger vollbringt kleine Wunder Tag und Nacht pulsiert das Leben im Landkreis, mal langsam, mal hastig. Die Redakteure der Weißenfelser Zeitung spüren diesem Rhythmus nach und erleben an verschiedenen Orten die 24 Stunden eines Tages. Zufällig der Tag, zufällig die Ereignisse, festgelegt nur der Ort und die Stunde. Jeweils sonnabends können Sie lesen, was in der Zeit passiert. Heute sind wir zwischen 16 und 17 Uhr in der Caritas Wohn- und Förderstätte "Julius von Pflug" in Schelkau. MITTELDEUTSCHE ZEITUNG REDAKTEURIN YVETTE MEINHARDT Schelkau/MZ. Geduldig steht Balerina auf dem Parcours, sie schnaubt einmal tief durch, wedelt geduldig mit dem Schwanz. Für die 14-jährige Stute beginnt gleich ihre Arbeitszeit. Die Zügel sind angelegt, Decke und Gurt liegen auf dem Rücken. Scheinbar teilnahmslos sitzt Anika in ihrem Rollstuhl, betrachtet den Haflinger. Endlich geht es los. Physiotherapeutin Sabine Richter schiebt den Rollstuhl auf den Reitplatz, eine schiefe Ebene hinauf in Richtung Pferderücken. "Drei, vier hoch", gibt Yvonne Neubert das Kommando und zu dritt heben Therapeuten und Helfer Anika auf das Pferd. Das Mädchen zappelt vor Freude, Hände und Arme fliegen unkontrolliert durch die Lüfte. Anika kreischt auf und thront im nächsten Augenblick schon oben. Blitzschnell springt Sabine Richter hinter sie auf den Pferderücken, greift der 18-Jährigen von hinten unter die Arme und gibt ihr Halt. "Als Anika vor gut einem Jahr zum ersten Mal auf dem Pferd saß, hielt sie sich gerade fünf Minuten oben. Ihr Oberkörper klappte wie ein Taschenmesser zusammen. Heute sitzt sie gut eine halbe Stunde aufrecht hoch zu Ross", erzählt Yvonne Neubert. Die 27-Jährige spezialisierte sich nach ihrem Hochschulstudium auf das therapeutische Reiten. "Es fördert so viele Bereiche, angefangen von der Motorik, über das Gleichgewicht, die fünf Sinne und stärkt das Selbstbewusstsein. Bei jedem Schritt muss der Reiter seine Haltung kontrollieren und korrigieren", beschreibt die Therapeutin beabsichtigte Wirkungen. Die Muskulatur löst sich, die Haltung verbessert sich Schritt für Schritt. "Reiten ist kein Wundermittel und dennoch vollbringt es kleine Wunder", schwärmt Brigitte McManama, die Leiterin der Caritas Wohn-und Förderstätte "Julius von Pflug". Anika zum Beispiel leidet an einer zunehmenden Spastik. Doch auf dem Haflinger scheint vieles möglich. Nach der ersten Runde im Parcours lösen sich die verkrampften Hände. Zusammen mit Yvonne wird ein kontrolliertes Streicheln des Pferdes möglich. Am Ende greift Anika sogar nach einzelnen Haaren der Mähne. Therapeutische Schwerstarbeit, die auf dem Pferderücken scheinbar zum kinderleichten Spiel wird. Kontrolliertes Steuern und Bewegen, Koordinieren der einzelnen Finger. Die Therapie zeigt Wirkung. "Reiten ist kein Wundermittel und dennoch vollbringt es kleine Wunder." Brigitte McManama Chefin der Förderstätte Die Schelkauer Förderstätte setzt auf tiergestützte Methoden. Im Streichelzoo fühlen sich Meerschweinchen, Kaninchen, Ziegen und Schafe heimisch. Jüngstes Mitglied der Großfamilie ist Kiara, ein zehn Monate alter Briard-Hund. "Jener soll als Therapiehund ausgebildet werden", verrät Tierpflegerin Christiane Just. Die Kinder haben ihn längst ins Herz geschlossen, die kleine Isabell schmust mit ihm. Im nächsten Augenblick stürmt sie mit dem Teddy auf vier Pfoten los und jagt durch das Gelände. Der Hund immer hinterher. Isabell ist neun Jahre, sehr ruhig und anhänglich. Durch die Tiere lebt sie auf. "Darf ich auch mal reiten?" fragt sie sehnsüchtig. Doch jetzt sitzt Patrick im Sattel. Sein Partner ist Paul, ein neun Jahre altes Pferd. An der Longe drehen Reiter und Pferd ihre Runden, erst im Schritt, dann Trab und Galopp. Patrick ist der Star in Schelkau, er kann auf dem Pferderücken stehen, liegen, balancieren. Im Sommer fährt er zum Turnier. Für gut 40 Behinderte gehört das regelmäßige Reiten zum wöchentlichen Programm. Brigitte McManama hegt einen großen Traum: "Wir brauchen eine Reithalle, denn den Transport auf die Haynburg können wir uns finanziell nicht mehr leisten." Die Chefin des Hauses glaubt daran, dass die Halle bis zum Oktober steht. 300 000 Euro kostet der Bau. Etwa 120 000 Euro stehen als Eigenmittel bereit. Es klafft eine Lücke von 40 000 Euro. Drei Zuschauer stehen an der Koppel. Ob sie bald zu den Sponsoren zählen? McManama bleibt am Ball und lebt für ihren Traum |
Konzentrationsübung auf dem Pferderücken MITTELDEUTSCHE ZEITUNG REDAKTEURIN KERSTIN METZE Merseburg/MZ. Michaela Larsen ist außer sich vor Freude. Die Leiterin des Kinder- und Jugendhauses in Merseburg dankt dem Verein "Wir helfen" herzlich für die Spende in Höhe von 5 000 Euro. Das Haus in Trägerschaft des Albert-Schweitzer-Familienwerkes hat insgesamt zwölf Heimplätze und 20 Plätze in einer Tagesgruppe für Kinder aus Familien, die mit der Erziehung überfordert sind. Und das zu einem großen Teil, weil sie Alkoholprobleme haben. "Es gibt viele Angebote, mit denen wir das Selbstbewusstsein unserer Schützlinge fördern oder sie ganz einfach Kind sein lassen", erzählt Michaela Larsen. Dazu gehöre das therapeutische Reiten, das durch ein Studienprojekt von Sozialpädagogik-Studenten der Fachhochschule Merseburg zustande gekommen ist und hilft, Ängste und Aggressionen zu überwinden, Konzentration zu lernen. Jeweils fünf Kinder haben hierbei die Möglichkeit, auf einem Landgut bei Braunsbedra unter fachlicher Anleitung von Yvonne Neubert zu reiten. Dabei geht es nach den Worten der Reitlehrerin weniger um Sport und exakte Voltigierübungen. Vielmehr werde der Spaß groß geschrieben, Konzentration geübt. Zuletzt fehlte dem Kinder- und Jugendhaus das Geld für die regelmäßige Therapie; die sporadischen Reitstunden erteilte Yvonne Neubert teils gratis, teils wurden sie durch spontane Spenden finanziert. "Mit der Spende von ´Wir helfen´ kommen wir erstmal ein ganzes Stück weiter", freut sich Michaela Larsen. Und Yvonne Neubert fügt hinzu: "Es ist wichtig, dass die Kinder nicht nur einmal kommen und es das dann war. Entwicklungsfortschritte stellen sich erst nach längerer Zeit ein." Auch ein anderes Vorhaben im Kinder- und Jugendhaus kann nach den Wünschen der Leiterin durch die "Wir helfen"-Spende vielleicht etwas weiter vorangetrieben werden: der geplante Snoozle-Raum zur Entspannungstherapie. Insbesondere verhaltensgestörte Kinder sollen hier zur Ruhe kommen, "Musikduschen" über sich ergehen lassen und Erlebnisreisen unternehmen können. "Die Pläne geistern schon lange in unseren Köpfen herum", erzählt Michaela Larsen, doch bislang scheitere die Einrichtung des Snoozle-Raumes am fehlenden Geld. |
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Die erste therapeutische Reitstunde der geistig behinderten Schüler aus Merseburg. Auf dem Rücken von Haflinger Eliot schöpfen sie Kraft und Selbstvertrauen. Reittherapeutin Yvonne Neubert erklärt Michael, der sich als erster aufs Pferd schwang, welche Übungen gemacht werden sollen. (MZ-Foto: Peter Wölk) |
Therapeutisches Reiten |
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Neumark/MZ. Sandra (8) ängstigt sich vor allem Neuen. David (13) ist hyperaktiv. Beide sind geistig behindert. Doch Haflinger Eliot macht ihr Handicap vergessen. Auf seinem Rücken hatten die Zwei zusammen mit fünf ihrer Schulkameraden der "Schule des Lebens" in Merseburg am Freitag ihre erste therapeutische Reitstunde auf dem Landgut Drexler in Neumark-Nord (früher Blösien-West). Sofort vermag es der gutmütige Vierbeiner, die Kinder in seinen Bann zu ziehen. Damit verläuft der erste Schritt zum Ziel der Therapie, den Kindern Selbstvertrauen zu geben und sie zur Konzentration anzuregen, wie von selbst. Mit stoischer Ruhe wartet der Vierbeiner, während die Kinder streicheln, bürsten oder wie Michael (15) sogar vor Vorfreude aufs Reiten um ihn herumhüpfen. "Es geht nicht nur darum, einfach auf dem Pferd zu sitzen", sagt Reittherapeutin Yvonne Neubert (26). Seit vier Jahren arbeiten die studierte Sozialpädagogin und ihre Pferde mit behinderten Kindern. "Fühlen, Tasten, Bewegen und Bewegtwerden, das alles ist wichtig." Die Schule wollte schon länger mit dem therapeutischen Reiten starten, so Lehrerin Gabriele Winzig. In diesem Jahr ist es dank Spenden und städtischer Unterstützung möglich geworden. 14 Kinder erhalten, aufgeteilt in zwei Gruppen, in zweiwöchigem Rhythmus Reittherapie. "Die Kinder sollen Wärme und Bewegung möglichst dicht fühlen können. Deshalb werden statt eines Sattels eine Decke und ein Gurt zum Festhalten verwendet", sagt Yvonne Neubert. Martin (12) darf Eliot neben der Therapeutin in die Reithalle führen. David folgt gelassen der kleinen, vom Vierbeiner angeführten Gruppe. Alle dürfen nacheinander reiten. Zunächst nur im Schritt, später sollen Übungen und Spiele wie Ballwerfen zum Koordinationstraining dazukommen. Die Pädagogin lobt Oliver (15), der zärtlich den Pferdehals klopft. Als er ins Rutschen kommt, spürt Eliot das sofort und wird langsamer. Angst, sagt Yvonne Neubert, wäre fatal. "Es sollen sich falsche Körperhaltung und Verspannungen lösen", schildert sie. "Das Reiten soll die Kinder aufrichten." Körperlich und seelisch. |
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Bevor Yvonne Neubert (Mitte) mit den Kindern in die große Reithalle geht, müssen die Neun- bis Zwölfjährigen Eliot erst striegeln und auch helfen, das Zaumzeug anzulegen. (MZ-Foto: Peter Wölk) |
Schneidersitz auf Eliots Rücken |
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Neumark/MZ. Wer führt Eliot rein? "Iiiiich", kommt es fünfstimmig aus Kinderkehlen. Finger schnellen in die Höhe. Heute darf Sven (Name geändert) die Zügel nehmen. Souverän leitet der Elfjährige Eliot in die große Reithalle. Ein Song von Shakira tönt aus den Lautsprechern.
Eliot gehört zu Yvonne Neubert. "Ich habe das Pferd extra für die Kinder ausgesucht", sagt die studierte Sozialpädagogin, die für verhaltensauffällige Kinder seit längerem therapeutisches Reiten anbietet. Dass der Haflinger mit dem braunem Fell und der wunderbar geflochtenen Mähne nicht sehr groß ist, macht ihn zu einem geeigneten Voltigierpferd für die Kinder.
Sven ist nicht zum ersten Mal hier draußen in der modernen Reithalle auf dem Landgut Drexler in Neumark, gelegen nahe Braunsbedra. Gemeinsam mit weiteren Mädchen und Jungen vom Kinder- und Jugendhaus Merseburg hat er sich mit Eliot längst angefreundet. Das Pferd zu putzen, gehört stets zu ihren ersten Handlungen hier draußen am Rande des Geiseltals. Und auch beim Anlegen des Zaumzeugs müssen die Kinder helfen. Was kommt zuerst? "Die Decke", haben sie sofort als Antwort für ihre Reitlehrerin parat.
Das Kinder- und Jugendhaus Merseburg, das vom Albert-Schweitzer-Familienwerk getragen wird, hat das Angebot zum therapeutischen Reiten für einige Kinder gern angenommen. Die Offerte kam durch ein Studienprojekt an der Fachhochschule Merseburg zustande, das vor etwa zwei Jahren im Rahmen der Ausbildung zu Sozialpädagogen entwickelt wurde. Gedacht war sie vor allem für Kinder, die Konzentrations- und Koordinationsschwierigkeiten haben, bedingt beispielsweise durch Komplikationen in den Elternhäusern, deren Ursachen nicht selten Probleme mit Alkohol oder anderen Formen der Sucht sind. Ängste und Aggressionen können für die Kinder und Jugendlichen Folgen für ihr ganzes Leben sein.
Das therapeutische Reiten schule Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn, erklärt Yvonne Neubert, und es fördere Lernbereitschaft und Selbstbewusstsein. Dabei geht es in ihren Reitstunden wenig um Sport und exakte Voltigierübungen. Vielmehr werden Spiel und Spaß groß geschrieben. Dabei beobachtet die Reitlehrerin mit Lizenz auch das Verhalten der Kinder untereinander.
Es sind meist die gleichen fünf Kinder, die auf Eliot reiten. "Es ist nicht sehr sinnvoll zu wechseln, da sich Entwicklungsfortschritte erst nach längerer Zeit einstellen", erklärt die 26-Jährige. Kann allerdings eines der Kinder den Unterricht auf dem Pferderücken einmal nicht wahrnehmen, ist der Platz im Heim heiß begehrt.
Seit anderthalb Jahren kämpft die Sozialpädagogin um mehr Anerkennung für das therapeutische Reiten. Ganz auf einsamem Posten steht sie dabei nicht. So gibt es derzeit auch in der Region Weißenfels Pläne für eine entsprechende, in diesem Fall behindertengerechte Reithalle. Ähnlich wie dort, muss auch Yvonne Neubert um jeden Cent Zuschuss kämpfen. Die Stadt Merseburg und der Träger des Kinder- und Jugendhauses haben ihren Angaben nach die finanzielle Unterstützung zum Ende vergangenen Jahres eingestellt.
Dank eines privaten Geldgebers konnten zumindest im Januar die Reitstunden noch weiter abgehalten werden, allerdings schon um eine halbe Stunde verkürzt. Wie es ab Februar jetzt weitergeht, weiß die junge Frau nicht. Am Donnerstag waren die Neun- bis Zwölfjährigen vom Merseburger Kinder und Jugendhaus zum vorerst letzten Mal in der Reithalle. Damit die Kosten für die Reitstunden und die Anfahrt bezahlt werden können, sind im Monat genau 288 Euro nötig.
Natürlich hoffen auch Sven und die anderen Kinder, dass sie nicht zum letzten Mal in Neumark waren. Eine Menge haben sie alle schon gelernt. Stolz führt eines der Mädchen vor, dass sie schon im Schneidersitz auf Eliot reiten kann, freihändig dazu. Yvonne Neubert sieht es mit Freude. Sie weiß, dass man von den Kindern keine Entwicklungssprünge von heute auf morgen erwarten kann, aber Fortschritte sind längst nicht mehr zu übersehen
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Yvonne Neubert (rechts) und ihre Schützlinge: Jeweils fünf Kinder aus dem Merseburger Kinder- und Jugendhaus kommen jede Woche zum therapeutischen Reiten. Mittlerweile können sie solche kleinen Kunststücke; außerdem werden Spiele mit pädagogischem Hintergrund gespielt. Auch beim Vorbereiten und Putzen von Pferd "Eliot" helfen die Kinder. (MZ-Foto: Peter Wölk) |
Therapeutisches Reiten |
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Neumark/MZ. "Jaaaa", antwortet ein fröhlicher, fünfstimmiger Kinderchor auf die Frage: "Macht euch das Reiten Spaß?" Viel mehr müssen Cindy, Sandy, Johannes, Ronny und Christine auch gar nicht sagen - ihre leuchtenden Augen erzählen genug. Die Kinder aus dem Merseburger Kinder- und Jugendhaus in der Geusaer Straße haben gerade ihre regelmäßige Reitstunde hinter sich. Keine gewöhnliche: Hier, auf dem Landgut Drexler in Neumark-Nord (früher Blösien-West), bietet der Integrative Pferdesportbetrieb Hipparion therapeutisches Reiten an. Seit zwei Jahren existiert dieses Projekt der Fachhochschule - jetzt droht aus finanziellen Gründen das Aus. "Wir suchen dringend Sponsoren", so Hipparion-Inhaberin Yvonne Neubert.
"Es wäre sehr schade, wenn das Projekt sterben würde", sagt die 26-Jährige, "das Reiten tut den Kindern sehr gut." Die bisherigen Zuschüsse von der Stadt und dem Träger des Kinder- und Jugendhauses, dem Albert-Schweitzer-Familienwerk, würden ab Januar wegfallen. Auch der Lehrauftrag an der FH für Yvonne Neubert ist mittlerweile gestrichen. "Im Moment arbeite ich zum Nulltarif. Ich habe aber trotzdem weiter gemacht, weil mir die Kinder leid tun." Nötig wären, so Neubert, 288 Euro im Monat für die Reitstunden und Fahrtkosten.
Jeweils fünf Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren kommen jede Woche zum therapeutischen Reiten, berichtet sie. Es handele sich um verhaltensauffällige Kinder. Das Reiten fördere Selbstbewusstein, Lernbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit, Körpergefühl und sinnliche Wahrnehmung. Es helfe, Ängste und Aggressionen abzubauen und fördere Kontakt- und Gruppenfähigkeit. Dabei wird freilich ein längerer Atem gebraucht: "Man darf keine Wunder erwarten; Entwicklungssprünge passieren nicht in vier Wochen."
Die FH-Studenten, die an dem Projekt teilnehmen, arbeiten in den Reitstunden mit und schreiben regelmäßig Berichte. Für die Theorie ist Prof. Dr. Susanne Becker zuständig. Auch sie hofft auf Sponsoren: "Ein großes Holz-Pferd, an dem sich Übungen erklären lassen, wäre zum Beispiel sehr schön." Yvonne Neubert hat an der FH Sozialpädagogik studiert und außerdem eineReittrainer-Lizenz. "Diese Doppelqualifikation ist relativ selten." Ihr Betrieb mit drei Pferden konzentriert sich auf das therapeutische Reiten, dessen Möglichkeiten hier zu Lande noch zu wenig bekannt seien. "Ich leiste da seit anderthalb Jahren Überzeugungsarbeit", so Neubert
Felix, der vierbeinige Therapeut
MITTELDEUTSCHE ZEITUNG REDAKTEURIN ULJANA WUTTIG- VOGLER
Blösien/MZ. Felix hat die Ruhe weg. Ganz geduldig wartet das Pferd, bis es Lucas und Alexander auf seinen Ausritt vorbereitet haben.
Einmal in der Woche kommen die beiden Jungen auf den Reiterhof nach Blösien, wo sich Yvonne Neubert eingemietet hat. Hier betreibt die junge Sozialpädagogin, die an der Fachhochschule Merseburg diplomierte, den "Integrativen Pferdesportbetrieb Hipparion".
Die Grundidee dafür basiert auf der Tatsache, dass der Umgang mit Pferden für Kinder und Jugendliche mit geistigen oder körperlichen Behinderungen sowie für verhaltensauffällige Kinder sehr heilsam sein kann. Das sei allerdings anders als im Westen im Osten Deutschlands noch viel zu wenig bekannt, sagt Yvonne Neubert.
Hinter dem großen Sammelbegriff "therapeutisches Reiten" verbergen sich immerhin drei Bereiche. Bereich Nummer eins ist das Reiten als Krankengymnastik oder Gesundheitsvorsorge beispielsweise bei Rückenproblemen. Beim zweiten Bereich, dem heilpädagogischen Reiten und Voltigieren, steht die Arbeit mit beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Dabei handelt es um Kinder mit Entwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, autistischen Verhaltensweisen oder Störungen im emotionalen Bereich, wie die Sozialpädagogin erläutert. Bereich Nummer drei ist das Reiten als Sport für Behinderte im Allgemeinen. Die Merseburgerin jedenfalls hat sich auf den zweiten Bereich spezialisiert. Sie betreut rund 30 Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren.
"Vielleicht finden sich noch einige Sponsoren."
Yvonne Neubert Sozialpädagogin
"Kinder mit Behinderungen stärken im Umgang mit den Pferden ihr Selbstbewusstsein und schulen ihre motorischen Fähigkeiten", erzählt sie. "Es entstehen sehr fruchtbare und heilsame persönliche Bindungen zwischen den Tieren und den Kindern." Das bestätige sich immer wieder in ihrer täglichen Arbeit. Zum einen hat sie einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Merseburg. Gemeinsam mit Studenten des Fachbereiches Sozialwesen der Hochschuleinrichtung betreut sie fünf verhaltensauffällige Kinder aus dem Kinder- und Jugendhaus Merseburg, die einmal die Woche auf den Reiterhof kommen. Noch nicht geklärt sei die Finanzierung der Stunden. Die Pferdesporttrainerin hofft auf Sponsoren. Und es wäre auch nicht schlecht, wenn sie dabei auch auf die Unterstützung anderer Pferdefreunde hoffen könnte.
Privat finanzieren die Eltern von hyperaktiven Kindern dagegen die Reitstunden - Einzel- und Gruppenunterricht ist möglich. Allerdings können nach Paragraph 35a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes für von seelischer Behinderung bedrohte Kinder die Kosten teilweise oder vollständig übernommen werden. Das Gesetz sieht auch die finanzielle Unterstützung der Freizeitgestaltung für sozial benachteiligte Kinder vor
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